Das ist aber teuer!

„Ah, die Wunde sieht ja super aus. Fritz bekommt von mir jetzt noch mal ein Antibiotikum. Ich denke, das war’s dann. Patient ist so gut wie geheilt entlassen.“
„Vielen Dank, Herr Doktor. Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht, wo die Bissverletzung ja wirklich richtig übel aussah. Nochmals vielen Dank!“

Frau Karthäuser verstaute ihren Kater Fritz in der Box und ging frohen Herzens zum Empfang, um ihre Rechnung zu begleichen.

„Das macht dann 125,11 €, Frau Karthäuser“, teilte Doris, die tiermedizinische Fachangestellte , freundlich mit.
„Ups! So teuer hatte ich mit das nicht vorgestellt. Der Doktor hat doch nur 'ne Spritze gegeben.“
„Dann lassen Sie mich mal schauen, Frau Karthäuser.“ Doris durchforstete die elektronische Karteikarte. „ Na ja … der Gesamtbetrag enthält insgesamt drei Untersuchungen. Mit jeweils einer örtlichen Behandlung des Abszesses und Injektionen mit einem Antibiotikum und einem Schmerzmittel. Ich hoffe, dem Fritz geht’s jetzt wieder gut?“

„Aber ja, meinem Schatz geht’s blendend. Trotzdem erscheint es mir viel Geld zu sein.“
Ein kurzer Blick auf den Monitor zeigte Doris, dass das Wartezimmer gerade leer war. „Frau Karthäuser, das ging mir anfangs hier genauso. Also hab ich den Chef danach gefragt. Haben Sie einen Moment Zeit? Dann versuche ich es Ihnen zu erklären.“
„Natürlich, das wäre sehr nett.“

„Okay, also … die meisten Besitzer glauben, dass das Geld, was sie bei mir zahlen, direkt in die Hosentasche vom Chef wandert.“ Ein kurzer Blick genügte Doris. Ertappt!
„Das ist aber nicht wirklich so. Die einzigen Einnahmen in einer Tierarztpraxis sind die Kosten, die für die Behandlungen, Operationen usw hier gezahlt werden. Davon muss die ganze Praxis finanziert werden.“
„Hm … was heißt das? Das kann ja so viel nicht sein.“
„Fangen wir mit den Räumen an.“
„Aber die sind doch da ...“
„Stimmt. Und wir liegen hier bei der Miete mit 12,-- € pro Quadratmeter noch sehr günstig. Zusammen mit Strom, Wasser und Heizung im Winter braucht der Chef ungefähr 3200,-- € pro Monat. Ob jetzt jemand zu Behandlung kommt oder nicht.“ Der Blick der Kundin war noch skeptisch.
„Dann muss der Chef ja uns auch noch bezahlen. In unseren kleinen Praxis gibt’s nur 3 TFAs und die Bezahlung könnte durchaus besser sein. Wobei unser Chef schon über Tarif zahlt. Na, egal, ich will mich nicht beschweren. Da kommen im Monat um die 8.000,-- € dazu. Des weiteren bleibt unser Chef natürlich gern auf der Höhe der medizinischen Zeit. Dafür sind Fortbildungen unumgänglich. Die kosten zum einen Geld und zum anderen kann er in dieser Zeit niemanden behandeln, hat also kein Einkommen. Von den zwei Wochen Urlaub im Jahr will ich gar nicht reden.“ Innerlich musste Doris grinsen. Ähnliche Gespräche hatte sie schon ein paar mal geführt und sie fand es immer wieder lustig, wie die Augen der Klienten immer größer wurden und die Kinnlade der Erdanziehung nur knapp widerstehen konnte.

„Ich … äh … ach egal.“ Frau Karthäuser legte ihr 130,-- € hin und hauchte: „Stimmt so. Bis zum nächsten mal.“

Doris lächelte und bedankte sich. Das war ein einfaches Gespräch gewesen. Sie hatte die Hightech-Geräte und deren sündhafte Anschaffungskosten nicht mal erwähnen müssen.